Unter der Leitung des bekannt wissenschaftsaffinen Moderators Josef Broukal diskutierten die Archäologin Sabine Ladstätter, die Arte Redakteurin Christine Reisen, derRektor der Universität Wien Heinz W. Engl, der ORF-Universum Chef Andrew Solomon, und die beiden Physiker Markus Arndt und Anton Zeilinger. Das bewusst provokant formulierte Thema der Diskussion lautete: Braucht es Wissenschaftskommunikation?
Die Beantwortung der Frage sei nicht so naheliegend, wie es auf den ersten Blick scheine, meinte Markus Arndt. Sie würde viel mehr ein weites Feld eröffnen. Als Vertreter der Jungen Kurie leitete Arndt die Diskussion mit einer kurzen Zusammenfassung des JK-Workshops, der zuvor stattgefunden hatte, ein.
Der Rektor der Universität Wien Heinz W. Engl ergänzte, dass Wissenschaftskommunikation auch eine Möglichkeit sei, um die Bevölkerung als Partner dafür zu gewinnen, die Politik von der Notwendigkeit einer Wissenschaftsförderung zu überzeugen. Der Mathematiker Engl sagte, dass Wissenschafter(innen) früher die Nase gerümpft hätten, wenn sie Interviews geben mussten, die dann in den Medien oft noch falsch wiedergegeben wurden. Auf der anderen Seite galt es durchaus als opportun, wenn man angab, in der Schule schlecht in Mathematik gewesen zu sein. Durch systematische Wissenschaftskommunikation, in der die Bedeutung der Mathematik für unser tägliches Leben hervorgehoben wurde, sei ein doppelter Imagewandel in Gang gesetzt worden. Einerseits sei heute allgemein anerkannt, welche Bedeutung die Mathematik für den Alltag hat und andererseits hätten Wissenschafter(innen) ihre Scheu vor den Medien abgebaut.
Andrew Solomon, der ORF-Sendeverantwortliche von Universum, erklärte, dass Universum von der Ausrichtung her kein Sendeformat für Wissenschaftskommunikation sei. Er gab aber zu, dass es bedauerlich sei, wenn für komplexere Inhalte derzeit im Fernsehen wenige Einsatzmöglichkeiten zu finden seien. Im Vergleich dazu gäbe es bei der BBC eine sehr erfolgreiche Programmschiene mit dem Namen Horizon, die nicht nur mit schönen Bildern und Geschichten über interessante Wissenschafter(innen) aufwarten könne, sondern die zudem durch ihren geschickten dramaturgischen Aufbau den Zuseher an die Geschichte binden würde. Trotz komplexer Inhalte würden beim Zuseher Erwartungen geweckt und Rätsel aufgegeben. Der Zuseher befände sich dadurch in einer Rolle, in der er die Wissenschafter(innen) quasi auf ihrer Entdeckungsreise begleiten würde.
Die Arte Redakteurin Christine Reisen stimmte Andrew Solomon in seiner Ansicht zu, dass es für Wissenschaftsfilme derzeit zu wenige Sendeplätze gäbe. Das sei auch deshalb schade, weil die Auseinandersetzung mit Wissenschaft zu einem zivilisatorischen Prozess beitragen würde. So sei es nicht nur das Recht sondern auch die Verpflichtung einer Gesellschaft, mit den Erkenntnissen der Wissenschaft mitzuwachsen und gemeinsam mit Forscher(inne)n darin Verantwortung zu übernehmen.
Der Wissenschaftsfilm sei eine Kunstform, die es ermöglicht, Inhalt und Emotion gemeinsam zu verpacken. Wenn ein Film gut gemacht ist, könne er Informationen vermitteln und zugleich dem Publikum eine Erfahrung spürbar machen, die einen tieferen Eindruck hinterlassen würde, als etwa ein Zeitungsartikel.
Die Archäologin Sabine Ladstätter wurde durch ihr Interesse an Ausgrabungen immer schon mit der Frage des Wozu? konfrontiert und beschäftigte sich demnach seit Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere mit dem Thema der Wissenschaftskommunikation. Sie ist zu der Überzeugung gekommen, dass man als Wissenschafterin nicht zu streng sein dürfe, wenn Inhalte bei der Kommunikation stark vereinfacht und etwas verfälscht widergegeben würden. Denn es sei entscheidend, neue Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Dem Physiker Anton Zeilinger ging es vor allem um eine zentrale Aussage. Er ist der Ansicht, dass es ein Urwunsch des Menschen sei, neugierig zu sein. Genauso wie es das Bedürfnis nach Musik gäbe, würde der Mensch immer weiter neue Dinge erfahren wollen. Die Frage, wozu etwas gut sei, sei dabei nicht von primärer Bedeutung. Diese Frage würde Zeilinger nur von Journalisten gestellt. Die Zukunft unserer Gesellschaft liege in den Köpfen der jungen Menschen. Und es müsse jeder konkret dazu beitragen, damit diese Neugierde nicht verblasse. Der einfache Medienkontakt wäre dafür nicht ausreichend, um gute Wissenschaftskommunikation zu betreiben, müssten die Wissenschafter(innen) auch etwas zu sagen haben.
Abschließend äußerten sich Christine Reisen und Andrew Solomon zu dem Anliegen des Vereins sf², dem es an diesem Tag auch darum ging, die Möglichkeit der Abhaltung eines regelmäßigen europäischen Wissenschaftsfilmfestivals in Wien auszuloten.
Solomon sprach von seinem beruflichen und privaten Interesse an guten Wissenschaftsfilmen. Ihm hätten auch der Tag des Wissenschaftsfilms und sein Programm gut gefallen, insofern würde er sofort ein entsprechendes Festival befürworten. Man könne aber durchaus klein beginnen, die gute Idee weiterentwickeln und über die Jahre organisch wachsen lassen.
Christine Reisen beeindruckte die heterogene Gruppe des anwesenden Publikums. Nahezu alle potentiellen Zielgruppen eines Festivals wären hier versammelt, und man habe über den Tag beobachten können, dass diese Mischung Sinn machen würde. Für den Wissenschaftsfilm gäbe es noch keine Veranstaltung, bei der gleichzeitig das große Publikum, Wissenschafter(innen), TV-Sender, Produzentinn)en und Autor(inn)en zugleich anwesend seien. Bei so einer Veranstaltung könnten Synergien gefunden werden, um die unterschiedlichen Interessen zu bündeln, mit dem Ziel, gute Filme zu produzieren. Wenn man all das auf einer europäischen Ebene zusammenzubringen möchte, so wäre das ein großes Projekt.
So zeigte die Diskussion einmal mehr die zahlreichen guten Gründe, die für die vielen unterschiedliche Möglichkeiten von Wissenschaftskommunikation sprechen, und die große Bedeutung, die ihr sowohl von Wissenschafter(inne)n als auch Konsument(inn)en gegeben wird. Die Resonanz auf die Frage nach einem Wissenschaftsfilmfestival kam aus Sicht der Veranstalter ein wenig zu kurz, aber wahrscheinlich konnte das in diesem Rahmen nicht anders erwartet werden. Die Beantwortung der Frage, ob so eine Veranstaltung in Österreich nachhaltig und in entsprechendem Umfeld realisierbar ist, wurde somit einmal mehr verschoben. Trotzdem hat der Tag des Wissenschaftsfilms gezeigt, dass so ein Event Sinn macht und sein Publikum finden kann. Es gibt genügend Reaktionen und konkrete Angebote, die interessante neue Möglichkeiten eröffnen.


Zunächst wurde den Jugendlichen der Bildungsfilm Wenn die Sonne stillsteht gezeigt. Basierend auf der Korrespondenz zwischen Johannes Kepler und Galileo Galilei begleitet der Film die Entdeckungen und Überlegungen der beiden weltberühmten Gelehrten an der Schwelle zur modernen Wissenschaft. Ein anspruchsvoller Fachvortrag von Christian Köberl, dem Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, bettete den Filmausschnitt in ein historisches Ganzes. Danach wurde den Jugendlichen der Film Quantenfußball, über die Arbeit des Wiener Quantenphysikers Markus Arndt, gezeigt. Sandra Eibenberger, eine Physikerin aus der Arndt-Gruppe, gab den Schüler(inne)n die Möglichkeit, tiefer in die geheimnisvolle Welt der Quantenphysik einzutauchen. Obwohl sich die beiden gezeigten Bildungsfilme in Machart und Inhalt unterscheiden, behandeln sie doch auch ein gemeinsames Thema: Sie befassen sich mit dem Wesen moderner wissenschaftlicher Forschung. In den Filmen wird deutlich, dass man nur durch konsequentes, gründliches Datensammeln und nur durch richtiges Interpretieren der gewonnenen Daten zu neuen, objektiv richtigen Erkenntnissen kommen kann. Insofern war es naheliegend, den anwesenden Schüler(inne)n zum Abschluss des Programms ergänzende Informationen über die alltägliche Arbeit von Wissenschafter(inne) n zu geben. Diese Aufgabe übernahmen drei Pädagogik-Student(inne)n, die den Schüler- (inne)n den Weg von der Formulierung einer Hypothese, über das wissenschaftliche Experiment bis hin zur Publikation in einem Journal mit möglichst hohem Impact-Factor darlegten.
Die Rückmeldungen der anwesenden Lehrkräfte zum Schüler(innen)programm waren ausnahmslos positiv. Die angesprochenen Themen seien sehr umfangreich behandelt worden und hätten zur weiteren Vertiefung angeregt. Der Wunsch nach einer Fortsetzung der Veranstaltung wurde geäußert.
Eine nicht repräsentative Befragung von den anwesenden Schüler(inne)n ergab, dass in ihren Augen ein zentraler Aspekt von Film für sie Unterhaltung wäre, und dass Filme in der Schule vor allem Abwechslung vom alltäglichen Unterricht bieten würden. Trotzdem beurteilten die Jugendlichen die Qualität der Bildungsfilme grundsätzlich eher negativ: meistens seien sie schlecht gemacht und eben langweilig.


18:30 – 20:00 Uhr
Nostalgia de la Luz
Länge: 90 Minuten
Regie: Patricio Guzmán
Produktion: Attacama Productions S.A.R.L.
In der unendlichen Weite der Atacama Wüste im Norden Chiles sind sechs internationale astronomische Observatorien in Betrieb. Diese gigantischen Beobachtungsstationen des Weltraums, der Sterne und ferner Galaxien sind auf dem modernsten technischen Stand und verfügen über die heutzutage umfangreichste Forschungskapazität.
Die Wissenschafter suchen in der ältesten Vorzeit die jüngsten Lichter des Universums, um mehr über die Zukunft der Erdmenschen zu erfahren. Nur einen Steinwurf von ihnen entfernt graben die Familien der Opfer Pinochets mit ihren bloßen Händen die Erde in den Massengräbern um. Sie sind auf der Suche der Körper ihrer « Verschwundenen ». Sie brauchen die Spuren einer noch ungeklärten Vergangenheit, um für sich und ihre Kinder eine Zukunft zu erfinden.
In Santiago, der Hauptstadt, sucht die Regierung ebenfalls, sie sucht Reichtum und wirtschaftlichen Erfolg. Sie hat sich mit Herz und Seele dieser Aufgabe verschrieben und hofft den Erfolg in der materiellen Entwicklung des Landes zu finden. Die Vergangenheit Chiles vergisst sie dabei völlig. Diese drei Suchaktionen sind der Dreh- und Angelpunkt des Dokumentarfilms NOSTALGIA DE LA LUZ.
Der Dokumentarfilm war in der offiziellen Auswahl des Festivals in Cannes 2010 und hat seitdem auf zahlreichen Bewerben mehr als 25 Preise erhalten, darunter den Europäischen Dokumentarfilmpreis, sowie die Publikumspreise der großen Festivals in Toronto, Biarritz und Brüssel.

von ChristianeM Losert-Valiente Kroon

Das Treffen war Teil der Diskussionsreihe Forschung in 20 Jahren und stand ganz im Zeichen der abendlichen Podiumsdiskussion: Wissenschaftskommunikation.
Der technologische und gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre stellt nicht nur ungeahnte Herausforderungen für die Wissenschaft und die Kommunikation ihrer Erkenntnisse dar, sondern bietet auch interessante Möglichkeiten, mit neuen Kommunikationsmethoden zusätzliche Zielgruppen in die Interaktion zwischen Wissenschafter(inne)n und der breiteren Öffentlichkeit miteinzubeziehen.
Die Veranstaltungsteilnehmer(innen) wurden durch Impulse von einer der beiden Moderatorinnen des Workshops, Barbara Streicher, zur Reflexion der eigenen Rolle in verschiedenen Bereichen der Wissenschaftskommunikation animiert. Als Anregung dienten eine grafische Darstellung, in welcher diverse Aktivitäten im Bereich Wissenschaftskommunikation in Beziehung zu den Zielgruppen gesetzt wurden, sowie ein Überblick über die Entwicklung des Verständnisses von Wissenschaftskommunikation angefangen beim Public Understanding of Science über Science and Society hin zu Science in Society [2]. Die Motivation zu einer persönlichen oder institutionellen Beteiligung am Kommunikationsprozess wurde gemäß des zeitlichen Einsetzens des beabsichtigten Effekts überdacht [3].
Zu neuen Trends in der Wissenschaftskommunikation referierten die Leiterin des Vienna Open Lab, Karin Garber [4], die das Konzept von Mitmachlaboren an Forschungsstätten vorstellte, und der Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) [5] der ÖAW, Michael Nentwich [6], der dem Betreiben von Wissenschaftskommunikation im Zeitalter der Neuen Medien nachging.
Karin Garber legte dar, dass das Ziel des vorgestellten Vienna Open Lab [7] die Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte durch eine experimentelle Auseinandersetzung und die Unterstützung des damit verbundenen gesellschaftlichen Diskurses sind wie die Darstellung eines realistischen Bildes der Aufgaben und Arbeitsweisen in einem Forschungslabor. Das äußerst gut angenommene Programm des Mitmachlabors wird dabei ganz an die Bedürfnisse der diversen Zielgruppen angepasst, die wissenschaftliche Laien aller Altersgruppen umfassen. Die Betreuung erfolgt durch Nachwuchswissenschafter(innen), die im Rahmen einer universitären Lehrveranstaltung in die Praktikumsleitung eingeschult werden.

Michael Nentwich rief zur professionellen, aktiven Mitgestaltung der Interaktion zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit über die Benutzung des Web 2.0 (Facebook, Twitter, Blogs, Wikipedia, Podcasts etc.) auf. Die qualitative und kulturelle Andersartigkeit sowie die Multifunktionalität der Neuen Medien stellen jedoch ungewohnte Herausforderungen dar; so verschwindet die Grenze zwischen interner und externer Kommunikation sowie zwischen individueller und institutioneller Botschaft. Cyberscience 2.0 [8]. Dies sei eine unaufhaltsame Entwicklung, die auch potenzielle Rückwirkungen auf die Forschung selbst mit sich bringe.
Auch junge Wissenschafter(innen) [9] der Universität Wien [10] kamen in Video-Interviews mit ihrer Erfahrung zum Austausch zwischen Forscher(inne)n und der allgemeinen Öffentlichkeit zu Wort. Dabei wurden Veranstaltungen im Ausland mit österreichischen Großereignissen, wie z.B. der Langen Nacht der Forschung, verglichen. Die Veranstaltungsteilnehmer(innen) nahmen die Impulse des ersten Workshop-Teils in eine gemeinsame Diskussion, in der die Erfahrungen aus der eigenen Praxis der Wissenschaftskommunikation eingebracht wurden.
Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit - auch im Sinne einer gesellschaftlichen Verpflichtung - der Weitergabe von Forschungsergebnissen und eines Verständnisses für den Forschungsalltag waren dabei unumstritten. Aber auch das Wecken der Neugierde bei den Kommunikationspartner(innen) und die Freude an der Kommunikation selbst wurden als motivierende Faktoren der Wissenschaftskommunikation angeführt. Die Weitergabe von Information könne zudem der (Weiter-)Bildung der allgemeinen Bevölkerung dienen, um dieser ein faktenbasierendes Abwägen von Argumenten hinsichtlich gesellschaftspolitisch relevanter Entscheidungen zu ermöglichen.
Ein wirklichkeitsgetreuer Einblick in das Berufsbild Wissenschafter(in) solle mögliche vorhandene Stereotypen aufbrechen und dem potentiellen Nachwuchs eine realistische Entscheidungsgrundlage in der Berufsorientierung bieten.
Die Workshop Teilnehmer(innen) identifizierten in ihrer Diskussion auch verschiedene Industriezweige, die indirekt von Wissenschaftskommunikation profitieren würden: Die Medien- und Tourismusindustrie könne z.B. die Wissenschaft als Unterhaltungsfaktor und Kulturbeitrag in ihre Agenda integrieren. Die Kooperation mit Stakeholdern und Multiplikator(inn)en sei dabei von den unterschiedlichen Zielsetzungen der mitwirkenden Partner(innen) geprägt.
Wie die Erfahrung der Workshopteilnehmer zeigt, erfüllt ein einziges Projekt oft mehrere Zwecke. So fände sich die Rechtfertigung der Verwendung von öffentlichen Mitteln oder ein strategisch geplanter Prestigegewinn genauso wieder wie die Begeisterung an wissenschaftlichen Erkenntnissen oder die Motivation, die Zielgruppen zur eigenverantwortlichen Suche nach weiterführender Information zu animieren. Dies sei ein faszinierendes und gegenseitig befruchtendes Spannungsfeld.
Die Gesprächskultur und die Nutzung unterschiedlicher Kommunikationskanäle sollten an die Bedürfnisse und Interessen der diversen Kommunikationspartner(inne)n angepasst werden. Die Motivation und die vielfältigen Begabungen der Kommunikationspartner(innen) in der wissenschaftlichen Community sollten in ihrer ganzen Diversität genutzt werden, um eine optimale Reichweite zu ermöglichen. Die Relevanz der Inhalte sollte sowohl an alltägliche Erfahrungen aber auch an die Begeisterungsfähigkeit der Kommunikationspartner(innen) aus der allgemeinen Öffentlichkeit z.B. über die Beschaffenheit der Welt oder die Überwindung von Grenzen anknüpfen. Die leicht verständliche und ansprechende Aufbereitung der Inhalte sollte die Stilrichtung moderner Medienformen berücksichtigen.
Die Kommunikationsmethoden sollten aber auch den Charakteristika unterschiedlicher fachlicher Disziplinen Rechenschaft tragen. Dabei stellten sich die Workshop- Teilnehmer(innen) der Frage, wie man seine Botschaft in der Informationsflut einer hochtechnisierten Gesellschaft am besten positionieren könne.
Mangelnde Ressourcen in materieller und personeller Hinsicht wurden dabei als die größten Hindernisse für einen nachhaltigen Austausch identifiziert. Auch die Frage nach der Förderung von Schlüsselkompetenzen wurde im Zusammenhang mit dem notwendigen Zeit- und Projektmanagement und dem Ausbau interpersoneller Fähigkeiten aufgeworfen und unter dem Blickwinkel eines engen Zeitrahmens im kompetitiven wissenschaftlichen Umfeld beleuchtet.
Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Diskussionsgruppen ermöglichte es den Veranstaltungsteilnehmer(inne)n frische Perspektiven zu gewinnen und gemeinsam an konkreten Vorschlägen für künftige Projekte in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten. Der Workshop wurde initiiert von Markus Arndt (Universität Wien; JK) [11], Thomas Prohaska (Universität für Bodenkultur Wien; JK) [12] und Wilfried Ellmeier (Medizinische Universität Wien; kM) [13], koordiniert und moderiert von ChristianeM Losert-Valiente Kroon (Universität Wien) [14] und Barbara Streicher (Science Center Netzwerk) [15].

Weiterführende Information:
[1] zur Jungen Kurie (JK) der ÖAW: junge-kurie.oeaw.ac.at
[2] aus “Science of Science Communication” von Brian Trench (Dublin City University); EAC12
- Eusea Annual Conference 2012: www.eusea.info/About/Annual-Conferences/EAC12-Eusea-
Annual-Conference-2012
[3] aus „Wissenschaftskommunikation - Impulse“ von ChristianeM Losert-Valiente Kroon (Universität
Wien): christianeundjuan.net/Site/Current_Position.html
[4] zu Karin Garber: www.viennaopenlab.at/en_team.php
[5] zum Institut für Technikfolgen-Abschätzung: www.oeaw.ac.at/ita/
[6] zu Michael Nentwich: www.oeaw.ac.at/ita/d1-4.htm
[7] zum Vienna Open Lab: www.viennaopenlab.at/
[8] „Cyberscience 2.0 – Research in the Age of Digital Social Networks“, Michael Nentwich, René König, April 2012, Frankfurt am Main: Campus Verlag
[9] Mitwirkende: Uros Delic, David Grass, Michael Keller, Max Tillmann, Mathias Tomandl; Interviewführung: ChristianeM Losert-Valiente Kroon; Gestaltung: Wolfgang Haberl
[10] zur Universität Wien: www.univie.ac.at
[11] zur Arbeitsgruppe von Markus Arndt: www.quantumnano.at
[12] zur Arbeitsgruppe von Thomas Prohaska: www.chemie.boku.ac.at/3374.html
[13] zur Arbeitsgruppe von Wilfried Ellmeier: www.meduniwien.ac.at/immunologie/ellmeier/
research.html
[14] zum Science Center Netzwerk: www.science-center-net.at

Der erste Film war eine populärwissenschaftliche Spieldokumentation des Discovery Channel, der zweite Film stellte ein Beispiel für einen typischen Magazinbeitrag des ORF dar und der dritte Film war eine visuell aufwendige Wissenschaftsdokumentation, wie sie von arte produziert und ausgestrahlt wird. Drei Filme, die sich alle im weiteren Sinne mit Tieren und Natur beschäftigten und somit gut zum Veranstaltungsort, dem Wiener Naturhistorischen Museum passten.

14 Uhr
Dinosaur Revolution – Das Wasserloch
Länge: 42 Minuten
Regie: David Krentz und Ricardo F. Delgado
Produktion: Discovery Channel / Sky
Begeben wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit und besuchen wir ein altes Wasserloch, das einst von Räubern und Beutetieren frequentiert wurde. Die Episode aus der Reihe „Dinosaur Revolution“ führt uns nach Lourinha, einer Kleinstadt in Portugal, in deren Umgebung es die höchste Fossilien-Konzentration Europas gibt. Wir besuchen das Wasserloch im Zeitalter des Oberjura, als zahlreiche Sauropoden während ihrer Reiserouten dort Rast nahmen. Wir sehen den Überlebenskampf eines jungen Allosaurus, der es mit einem riesigen Dinheirosaurus und einem nicht weniger gefährlichen Torvosaurus aufnimmt. Zahlreiche Nebenfiguren bevölkern das Wasserloch: Ornitholestes, der “Vogelräuber” und Rhamphorhynchus, das fliegende Reptil. Nicht zu vergessen sind Miragaia, der Cousin des berühmten Stegosaurus und Lusotitan, ein 25 Meter langer Sauropod.  Die Episode zeigt, dass Dinosaurier, anders als vermutet, in komplexen sozialen Systemen zusammenlebten, und dass das Wasserloch ein Zentrum für viele Tiere war, die hier miteinander lebten und starben. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Peter Wunner, dem Director von Marketing & Communication bei Discovery Communications, Deutschland.

15 Uhr
Neues von der Farm der Tiere
Länge: 37 Minuten
Regie: Kurt Langbein und Florian Kröppel
Produktion: Langbein & Partner Filmproduktion
Schimpansen erweisen sich beim Gebrauch von einfachen Werkzeugen Kleinkindern zumindest ebenbürtig, Krähen basteln in wenigen Sekunden Werkzeuge, die sie zuvor noch nie gesehen haben, Hunde können hunderte Begriffe Gegenständen zuordnen und der Gesang der Buckelwale weist zahlreiche Ähnlichkeiten mit der menschlichen Sprache auf.
Kurt Langbein und Florian Kröppel haben für „Kreuz & Quer“ zusammengetragen, was die moderne Forschung in den letzten Jahren über die Intelligenz der Tiere herausgefunden hat.
In „Neues von der Farm der Tiere“ zeigen sie, welch enorme kognitive, kreative und kommunikative Leistungen Tiere erbringen können. „Die Grenze zwischen Mensch und Tier wird laufend verschoben“, beschreibt Christophe Boesch vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie die Entwicklung in der Erforschung der tierischen Fähigkeiten, „und wir wissen nicht, wie weit das noch gehen wird”.
Schon jetzt ist der Einfluss der Forschung auf das Bild von Mensch und Tier enorm. Manche scheinbar unumstößliche Regel der Evolution muss neu geschrieben werden: Boesch etwa hat nachgewiesen, dass männliche Affen weibliche Waisen adoptieren – ganz ohne Nutzen für die Verbreitung ihrer Gene, aus Mitgefühl.
Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit dem Regisseur und Produzenten Kurt Langbein.

16 Uhr
Dschungel unter Wasser - Das geheimnisvolle Leben im Baggersee
Länge: 43 Minuten
Regie: Serge Dumont, Frank Nischk, Sarah Zierul und Thomas Weidenbach
Produktion: SEPPIA und der LÄNGENGRAD Filmproduktion in Koproduktion mit Arte-France
Es ist eine Entdeckungsreise in ein Naturparadies, das kaum jemand kennt - obwohl es direkt vor unserer Haustür liegt: Der Film entführt den Zuschauer in eine ehemalige Kiesgrube. Wo über Jahrzehnte Bagger Kies und Sand förderten, ist nach Beendigung der Arbeiten eine zauberhafte Unterwasserlandschaft entstanden, deren Schönheit an tropische Riffe erinnert.
Mitten in Europa, vor den Toren einer Großstadt, haben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten eine neue Heimat gefunden. Hechte gehen hier auf die Jagd, seltene Vögel ziehen ihren Nachwuchs auf. Und auch vom Aussterben bedrohte Tiere wie der Flussaal finden in dem Baggersee eine neue Zuflucht. Sogar Süßwassergarnelen und Quallen, die ursprünglich aus Asien stammen, sind hier zu finden.
Ehemalige Kiesgruben gibt es zu Tausenden an den Ufern der großen Flüsse. Die meisten werden durch Müll und Abwässer verschmutzt, von Angelvereinen in Beschlag genommen oder im Sommer von badenden Menschenmassen überfallen. Die Natur hat dort keine Chance. Doch der im Film gezeigte Baggersee ist etwas Besonderes: Er wurde im Laufe der Jahre einfach vergessen, nur selten finden Menschen hierhin. Der Film zeigt, welche Chancen für die Natur ehemalige Kiesgruben bieten. Aber auch die Gefahren, die diesem ökologischen Wunder ein rasches Ende machen können. Mehr als eineinhalb Jahre drehte der Straßburger Biologieprofessor und Unterwasserfilmer Serge Dumont an dieser Naturdokumentation.
Entstanden sind einzigartige Aufnahmen, wie man sie an einem Ort wie einem Baggersee nicht erwartet. Einblicke in eine Welt voller Überraschungen und Geheimnisse.
Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Arte- France Redakteurin Christine Reisen.